Bergwerk – Kamp Lintfort

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  • for        :  Jo Coenen Architecture & Urbanism
  • city       :  Kamp-Lintfort, Germany
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  • collobarate : Buro Lubbers
  • team     : Jo Coenen, Roderick Castell zur Rodhausen, Ard de Vries (project-architect)
  • status   : Competition 2012

 

Wir schlagen vor, die bestehende räumliche Struktur des Bergwerks als das Rückgrat des Gebietes zu betrachten. Diese Basisstruktur wird aufgeteilt in vier Quadranten, die jeweils einen unterschiedlichen Charakter besitzen. In unserem Leitbild ist die orthogonale Struktur im Zusammenhang mit dem organischen Lauf der Goorley und dem verlängerten Wandelweg ein starkes Ensemble. Die unterschiedlichen Funktionen und Atmosphären innerhalb der Basisstruktur des Bergwerks bilden den Ausgangspunkt. In den Quadranten variiert entsprechend des Themas der Anteil an Grün, der Raum für Aktivitäten und Nutzungen sowie die Zugänglichkeit. Die Flexibilität wird erreicht durch die Definition einer Bebauungsstruktur mit austauschbaren ‚Blöcken‘. In dieser Struktur wird das riesige Bergwerksgebiet aufgeteilt in kleinere Flächen im menschlichen Maßstab, die selbstverständlicher zu entwicklen und zu vermarkten sind. Die Grundflächen der Blöcke stehen fest, während die Bebauungstypologie noch flexibel ist. Innerhalb der Blöcke kann man variieren in Dichte, Textur, Wohnungstypologie und dem Anteil des öffentlichen Raums. Ein Raster, dass man immer wieder neu füllen, verändern und erweitern kann. Auf diese Art entsteht eine labyrinthische, intime Atmosphäre, die zudem flexibel auf das städtische Programm und eventuelle Änderungen reagieren kann.

Wir gestalten kein neues Viertel, sondern vier Teilgebiete, die als gemeinsames Ziel die Weiterentwicklung des Bergwerks haben.

Die Achse beginnt beim Kloster Kamp und verläuft entlang der Goorley bis in die Stadt. Die Große Goorley wird vollständig renaturiert. Die Kleine Goorley wird mit der Großen Goorley verbunden, um die Erfahrung vom ungehindert strömenden Wasser so stark wie möglich zu demonstrieren. Die von Reinders Landschaftsarchitekten konzipierten Freiraumachsen sind eine geeignete Basis für die Einbindung von Kamp-Lintfort in seine Umgebung und die Integration des Bergwerks in die Stadt mit ihren verschiedenen Stadtteilen. Mit der Zeit können die Freiraumachsen weitergehend verbunden werden, um die Kombination der niederrheinischen Landschaft mit dem städtischen Kamp-Lintfort maximal auszunutzen. Wegen der Isolation des Bergwerkareals gibt es momentan keine Ost-West-Verbindungen durch das Planungsgebiet.

 

Bergwerk-West-Kamp-Lintfort_kaart_1-10000

Wir fügen infrastrukturelle Verbindungen für langsamen und motorisierten Verkehr zu, um das Gebiet in alle Richtungen zu öffnen. Im gesamten Gebiet sind drei Hauptzugangswege vorhanden. Die mittlere Nord-Süd-Route befindet sich auf der ehemaligen Schienenbahn. Dies ist der Bereich der regionalen Niederrheinbahn, der alle Teibereiche der Planung miteinander, mit dem Bahnhof und der Innenstadt verknüpft. Beim Bahnhof entsteht eine Passage durch den Platanenpark. Für das westliche Wohnviertel werden kurze Wege nach Osten und zu den wichtigen Gebieten wie Bahnhof, Innenstadt und Hochschule bestehen. Der Bahnhof ist im Kerngebiet des Plans positioniert. Er hat somit eine strukturierende Wirkung und befördert auf diese Weise räumliche Entwicklungen und Investitionen. Dazu empfehlen wir, die  Barrierewirkung der Schienen zu minimalisieren und die Linie im urbanen Gewebe zu integrieren. Wir schlagen die folgende Strategie vor:

-… Autos in das Gebiet lassen, so dass Lebendigkeit, soziale Sicherheit und Kontrolle eine Tatsache werden.

-…den historische Bauten Orientierung und Ausstrahlung geben, sowie ihre  Entwicklungsperspektive vergrößern.

-… Bustransport von und zu dem Bahnhof gut organisieren und den Bahnhof für Autoverkehr erschließen, Kiss&Ride und Park&Ride ermöglichen.

Zur Abwicklung des Verkehrs sollten die Straßenräume nicht überdimensioniert werden, auch nicht bei einer Verdoppelung des aktuell vorgeschlagenen Programms. Fußgänger und Radfahrer benutzen das neue grüne Rückgrat. Durch strategischen lokalen Abriss der Mauer werden sofort Verbindungen für Fußgänger und Radfahter in sowohl Nord-Süd als Ost-West-Richtung ermöglicht.

 


TypologiePlatanenpark

Am nördlichen Teil des Bergwerks, also unmittelbar südlich der Innenstadt, liegt der ‚Platanen Park‘, eine campusartige Anlage mit Wohnen für Studenten und Senioren. Diese Lage befindet sich in direkter Umgebung der Innenstadt – man kann zu Fuß zum Einkaufen, zum Arzt, zur Schule und anderen öffentlichen Einrichtungen laufen. Hieraus entsteht allerdings die Notwendigkeit um die neue Bahntrasse etwas südlicher zu positionieren: Der Platanenpark, der erweiterte Campus, ist Teil der grünen Hauptachse und darf nicht durchschnitten werden. Die Verschiebung des Bahnhofes lässt einen Spaziergang vom Bahnhof zur Innenstadt entstehen: Ein lebhafter Korridor wird verwirklicht. An der Nordseite der neuen Nord-Süd-Achse liegt ein Becken, ein großes zylinderförmiges einige Meter hohes Volumen.. Dieses Becken wird nicht länger benötigt. Der Abriss und die Sanierung dieser Konstruktion ist allerdings aufwendig. Besser ist es, dieses markante Objekt als Zitat mit zeitgenössischer Gestaltung wiederzuverwenden. Es ist zentral gelegen, verbindet die Bewegung aus der Kamp-Lintforter Innenstadt und begleitet den Weg südwärts in Richtung des Bergwerkensembles. Auf diese Weise wird das Beckenumfeld zu einem Gelenk, einem Drehpunkt und es entsteht ein Landmarke in dem neuen Gebiet. Es gibt in dieser Gegend mehrere solcher Objekte, die in einer ‚künstlerischen‘ und ‚freien‘ Gestaltung ein neues Gesicht bekommen können. Solche spezifische Architektur eignet sich gut für Wohnungen und Büros.

 

Herz

Im Kontrast zum organischen Landschaftspark steht die orthogonale Friedrich Heinrich-Allee mit den angrenzenden Gebäuden. Die monumentale und bildprägende Architektur der Zechenbauten ist von hoher Qualität und verleiht der FH-Allee in einen unverwechselbaren Charakter. Dieser Kern des Bergwerks wird aufgeteilt in sechs kleinere Ensembles. Durch die Betonung von signifikante Achsen, Wegen, Straßen und Linien kommt es zu einer gleichgewichtigen Aufteilung des Industriekerns. Durch diese Aufteilung entstehen kleinere Höfe sowie städtische Plätze mit eigener Identität und Atmosphäre. Die sechs kleineren Ensembles bilden somit jeweils eigene Blöcke, die permanent und nachhaltig auf verändernde  programmatische Aufgaben antizipieren können. Dieses Teilgebiet ist gekennzeichnet von der historischen Bebauung an beiden Seiten der Bahn. Die Gebäuden entlang der FH-Allee sind mit ihrer Vorderseite zur Straße orientiert und besitzen damit ein hohes Entwicklungspotenzial. Dies gilt nicht für die Bauten entlang der Bahnstrecke. Die neuen Eingänge, östlich der Bahn, erhöhen das Potenzial des Gebietes. Die historischen Bauten erhalten eine neue Front, neue Entwicklungen werden gut auf die bestehende Situation abgestimmt und die soziale Sicherheit wird verstärkt. Diese Herangehensweise bildet damit einen Impuls für neue Entwicklungen (Siehe z.B. die Erasmusbrücke in Rotterdam, die verkehrtechnisch nicht notwendig war, jedoch die die Entwicklung in den südlichen Bezirken stark gefördert hat). In der jetzigen Zeit ist der mittlere Teilbereich B noch relativ schlecht zu vermarkten. Dies gilt auch für die Gebäude am Schacht 1, die funktionell und architektonisch sehr spezifisch sind. Weil es aber jene Gebäuden

sind, die die Vergangenheit und das ehemalige Funktionieren der Zeche ersichtlich und erfahrbar machen, kann dieser Teil konserviert werden und als vorläufiges, romantisches Relikt und Schaufenster der lokalen Geschichte und Identität gelten. Abriss ist kurzfristig nicht dringend notwendig. Wir haben jetzt keine Einsicht in die Kosten und die erforderlichen Arbeiten zum Erhalt des Förderturms, aber wenn er seinen programmatischen und finanziellen Wert verliert, bleibt nur das – relevante – Identitätsargument. Wenn man sich in der Zukunft doch zum Abriss entschließen sollte, kann eine alternative Bebauung auf diesem Platz den Komplex dauerhaft ergänzen. Es geht hier immerhin um seine Silhouette, die eine Landmarke für die ganze Stadt ist und nicht nur das Bergwerk auszeichnet. Als Ersatz könnte eine architektonische Interpretation des Turms, z.B. als Stahlskelett oder Glaswerk erstellt werden.

Das Herzstück erlangt durch die Aufteilung eine gut erfassbare Dimension, deren Größe korrespondiert dem anderen Highlight der Stadt: dem Kloster Kamp. Ebenso wie bei dem Kloster Kamp entstehen hier individuelle Räume, öffentliche Plazas und Übergänge zwischen lebendig und ruhig, belebt und leer. Die entstandene Ensembles haben einen Maßstab, der zu der Provinzstadt Kamp-Lintfort passt und Bezüge zu den umringenden Stadtteilen schafft. Die östliche Altsiedlung wird in das Bergwerkgebiet einbezogen. Neue Wohnungen referieren an dieser Seite an die traditionelle Architektur der Altsiedlungshäuser. Die Straßen werden ebenfalls als Wege weiter in das Bergwerkgelände verlängert und miteinander verbunden. Damit unterscheidet unser Leitbild sich von vergleichbaren Projekten im Ruhrgebiet: Das Bergwerk-West wird tatsächlich mit der Stadt verschmelzen, anstatt als monofunktionelles, autonomes und beschränktes Gebiet revitalisiert zu werden.

 

Bachtal

Durch Erweiterung des Wasserreservoirs entsteht eine Wasserachse. Wegen des verschmutzten Bodens ist hier sowieso eine Sanierung notwendig. Der Umgang mit dem verunreinigten Boden auf dem Bergwerksgelände bietet die Chance, die Landschaft neu zu gestalten. Durch Umschichtung des Bodens entsteht die Wasserachse und im Anschluss daran ein Hügel. Hier wird auch der Bezug zur Vergangenheit hergestellt: Der ehemalige Kohlenlagerplatz mit den Aufschüttungen wird von der Höhendifferenz repräsentiert und erfahrbar macht.

Im Zusammenhang mit dem Landschaftspark und soll ein markaner Bereich entstehen, der attraktive Uebergaenge schafft. So wohnt man an der Seite der Altsiedlung im kleinen Einfamilienhaus direkt am Bachlauf – als Teil der großen grünen Achse – und schaut man auf die zu erhaltenen und transformierten Bergwerkgebäude, wo gewohnt und gearbeitet wird. Großzügige Wege über die Wasserachse vermeiden das Gefühl von Isolation und Barrieren.

Die Wasserachse ist ein geschlossenes Wassersystem , das als Reservoir für Regenwasser dienen soll und mit Mechanismen zur Zirkulation und Reinigung ausgestattet ist.

Regenwasser aus das Quadrant Herzstück wird in diesem Becken aufgefangen, um die Abwasserkanäle zu entlasten. Es empfehlt sich darüber hinaus die Goorley permanent gefüllt und fließend zu halten, damit der Erlebnis von einem (kleinen) Fluss fühlbar ist. Dieses Bachtal wird damit ein hochwertiges Wohngebiet, das eine qualitative Ergänzung zur ursprünglichen Altsiedlung darstellt. Durch die Landschaft an dieser Seite schräg zu gestalten, entsteht mehr Kontrast in der und wird das Gelände dynamischer. Visuelle Beziehungen im ganze Plan wichtig. Wegen der physischen und visuellen Durchgängigkeit wird ein Teil der Bergwerksmauer abgerissen. Die östliche Bergwerkmauer wird zugunsten eines physischen und visuellen Durchgangs teilweise abgerissen. Hier ‚infiltriert‘ die Altsiedlung in das Bachtal .

Die neuen Wohnungen werden zwischen die erhaltenswerten Teile der Mauer integriert. Diese Kombination von Neu und Alt ist sehr erstrebenswert und schafft Identifikationspunkte.

Idylle

 Am südlichen Ende der neuen Achse befindet sich der Quadrant Idylle, dessen Name an die periphere Lage und die vorgesehene städtebauliche Struktur mit kleinen Wohneinheiten im grünen Umfeld referiert. Die existierenden Gebäude sind gut geeignet für Wohnprogramm. Die neue Bebauung kehrt, wie auch die bestehenden Gebäude, der Bahn den Rücken zu und vermindert somit die Lärmbelastung. Die Züge fahren hier mit einer geringen Geschwindigkeit, wodurch sich die Lärmentwicklung in Grenzen hält. Die Entwicklung des Quadrants Idylle hat in der heutigen wirtschaftlichen Situation keine Priorität. Er liegt nämlich dezentral am südlichen Ende des Bergwerks. Trotzdem sind die Gebäude relativ leicht umzubauen. Die Architektur und der bauliche Zustand sind gut und geeignet für schnelle Anpassung an eine mögliche neue Nutzung.

Parken

Für die Entwicklungsstrategie ist die Organisation der Parkplätze essentiell. Es steht genug Raum auf dem ehemaligen Bergwerksgelände zur Verfügung. Auch bei eventueller Realisierung des intensiveren Programms besteht kein Mangel an Parkmöglichkeiten. Unsere Strategie besteht darin, in den neuen Gebäuden das Parken innerhalb der Blockstruktur, unterirdisch oder vertieft anzulegen. Der Bedarf an Parkplätzen für die bestehenden Gebäude und Einrichtungen wird ebenerdig auf landschaftlich gestalteten Flächen organisiert.

Das Bergwerksgebiet ist sehr gut geeignet für einen pragmatischen Ansatz für das Parken. Felder oder Teilgebiete die noch nicht direkt entwickelt werden, können vorübergehend als Parkplatz benutzt werden. Falls dann ein Feld bebaut werden soll, kann man sich für die Integration des Parkens in die Architektur oder die Verlegung des (öffentlichen) Parkplatzes entscheiden. Für eine solche variable Parkverwaltung haben wir Studien erstellt.

Ein besonders funktioneller Parkplatz befindet sich auf der Nordseite zwischen Rückgrat und Bahnhof. Dieses Parkgelände ist vielfach zu nutzen und bietet Parkkapazität für die Hochschule, Bahnreisende, Besucher der Innenstadt oder des Bergwerks.

 

Fasierung

Die Entwicklung des Bergwerksgeländes wird eine lange Periode in Anspruch nehmen. Für das Herzstück des Bergwerks, mit seinen spezifischen und starren Bauten ist mit einem Zeitraum von bis zu 25 Jahren zu rechnen. Dafür ist dieses Teilgebiet aber auch das Erste, dessen Potenzial benutzt werden kann und soll. Die beabsichtigte Entwicklungsperiode ist lang. Die Gesellschaft wird sich daran gewöhnen müssen, dass das Projekt Zeit benötigt, sich zu stabilisieren und mögliche Funktionswechsel und Veränderungen erwünscht sind.

Sogar einen späteren Umnutzung bestimmter Teilbereiche ist nicht auszuschliessen. Für die geplante Gesamtanzahl von 1000+ Wohnungen ist eine solche lange Periode angemessen. Der heutige Markt ist nicht groß. Trotzdem wollen wir jetzt qualitativen Entscheidungen treffen und damit diese Entwicklungsrichtung ermöglichen. Für die Gebiete die einen längeren Zeitraum zur Entwicklung benötigen sind zwei Strategien denkbar:

-Temporäre Eingriffe verleihen dem Gebiet eine neue Bedeutung. Zum Beispiel temporäre Bauten mit unterschiedlichem denkbaren Programm, für und von den Parteien die gerne einen definitiven Platz auf dem Bergwerksgelände hätten aber noch nicht die ausreichenden finanziellen Mittel besitzen. Ein Parkplatz, ein Zirkusgelände oder ein Kirmesplatz sind auch gehören auch zu den Möglichkeiten.

-Offene Flächen sollten mit Gras eingesäht werden und tragen zum grünen Charakter des Gebietes bei.

Verwilderung oder Brachen sollten im direkten Umfeld der Bebauungsstruktur vermieden werden. Minimale gezielte Pflegemaßnahmen sind erforderlich, damit ungenutzte Flächen keinen Schaden am Image des Gebiets erzeugen. Der langwierige und diverse Entwicklungsprozess macht es erforderlich, dass auch Zwischenstadien funktionsfähig sind und gepflegt aussehen. Darum ist es von besonderer Wichtigkeit, dass diese Strategie gut kommuniziert wird, damit Nutzer und Zielgruppen akzeptieren, das nicht alle Gebiete in absehbarer Zeit fertig sind. Von unserer Planung sollen sich alle Zielgruppen angesprochen fühlen, die einen ausgesprochenen Pionier- oder Abenteuergeist besitzen.

 



Eén reactie op “Bergwerk – Kamp Lintfort”

  1. luottoa schreef:

    luottoa…

    Corina…